Tag 569: Todesangstkonflikt – Teil 1

Noch 2 Tage bis zu Tobias’ 2. Weltreisegeburtstag!

Heute ist Paulina nun genau eine Woche bei uns und fast so als wäre es eine Art Jubiläums-Geschenk tauchten gleich am Morgen die ersten Probleme mit ihrem Wagen auf. Immerhin hatte es damit rund 5 Tage Länger gedauert als bei uns, denn bei unserem eigenen Start war uns ja bereits am zweiten Tag eine Deichsel verbogen. Paulinas Problem war auch nicht ganz so tragisch wie unseres damals, doch erstaunlich war es schon. Ihr erinnert euch vielleicht noch, dass uns in Slowenien bei dem großen Wagenumbau mit Heikos Eltern die Endkappen von unseren Steckachsen abgefallen waren, so dass uns unser Ferienhausvermieter neue herstellen musste. Etwas ähnliches passierte nun auch bei Paulina, jedoch fiel hier zum Glück nur sie optische Schutzkappe aus Kunststoff herunter. Die Achsbefestigung aus einem dünnen Eisenscheibchen und einer weiteren Plastikvorrichtung blieb zunächst noch erhalten. Mit etwas Glück kann sie damit also noch eine ganze Weile fahren. Es dauerte jedoch nicht lange, dann fiel die Plastikkappe auch vom zweiten Rad herunter. Was immer sich Ben bei dieser Konstruktion auch gedacht hatte, besonders sinnvoll war es nicht.

Nach der vergangenen Terrornacht mit den Krawall-Arschgeigen, die nichts besseres zu tun hatten, als uns immer wieder mit ihrem schwachsinnigen Prollgehabe aus dem Schlaf zu reißen, war unsere Einstellung der Menschheit gegenüber mal wieder auf einem Tiefpunkt. Selbst Paulina spürte, dass sie durchaus einige gute Ideen hatte, wie man mit derartigen Menschen umgehen könnte und war überrascht, wie groß bereits jetzt schon ihre Bereitschaft war, anderen Menschen Schmerzen zuzufügen. In der Nacht hatte sie mit gezücktem Bärenspray vor dem Eingang gesessen und nun da die Situation vorbei war, malte sie es sich schon auch aus, wie sich das Spray wohl im Gesicht eines der Raudies gemacht hätte. Außerdem arbeitete sie bereits im Geist an der Konstruktion für eine Zwille, mit der sie kleine Gegenstände verschießen konnte, die gewaltige, Blutergüsse erzeugen und blendende Frontscheinwerfer zerstören konnten.

Gerade in diesem Moment, als wir an den verstreuten Höfen vorbei gingen, die hinter der Stadt lagen, wurde diese Einstellung von den aktuellen Eindrücken nicht gerade besser. Ein Hund kam uns kläffend aus einer Einfahrt entgegen und schaute uns mitleiderweckend an. Das halbe Fell hatte er bereits verloren, sein Schwanz war bis auf einen Stummel abgehackt worden jeder Schritt schmerzte ihn in der Hüfte. Das war aber noch nicht das Schlimmste! Irgendjemand, wahrscheinlich sein Besitzer, hatte erst vor kurzem so sehr mit einem harten Gegenstand auf ihn eingeprügelt, dass ihm dadurch sein linkes Auge zerplatzt war. Dort wo es einmal gewesen war, klaffte nun eine dunkle, nässende Wunde, die fast sein ganzes Gesicht bedeckte. Und trotzdem verteidigte der Hund noch immer das Grundstück seines Herrchens.

„Oh Gott! Schaut euch das an!“ rief Paulina entsetzt und mitleidserfüllt zugleich. „Wie kann man einem Tier nur so etwas antun?“

Der Hund wirkte bereits sehr alt und mochte in Hundejahren gerechnet so zwischen fünfzig und sechzig Jahre Alt sein.

„Könnt ihr euch vorstellen, was es bedeutet, wenn man sein ganzes Leben lang gequält wird?“ fragte Heiko, dem das Entsetzen ebenfalls aufs Gesicht geschrieben war, „Sechzig Jahre lang, jeden Tag! Ich finde es unvorstellbar. Ich glaube mehr muss man über die Menschen hier auch schon gar nicht mehr sagen. Das reicht ziemlich aus. Vor allem, nach der letzten Nacht.“

Auch ich hatte in der Nacht locker zwei Stunden wach gelegen und dabei immer wieder auf Motorengeräusche gelauscht. Stets hatte ich versucht, mich selbst zu beruhigen und auf andere Gedanken zu kommen, doch ich konnte nicht verhindern, dass sich stets auch wieder neue Gewalt- und Mordgedanken darunter mischten. Plötzlich kam es mir nicht mehr übertrieben vor, dass jeder amerikanische Farmer eine Schrotflinte in seinem Schlafzimmer hatte, mit der er auf jeden Eindringling schießen konnte, der ihm auf die Nerven ging. In dieser Nacht hätte ich selbst gerne eine solche Flinte gehabt. Man hätte damit ja niemanden töten müssen, aber einen ordentlichen Schrecken einjagen und ein paar kleinere Verletzungen zufügen, müsste schon drin sein. Als die Jugendlichen dann noch ein weiteres Mal um unser Lager fuhren, hupten und laut schrien, platzte auch mir der Kragen. Einer der Kerle stieg aus kam zu unserem Zelt und schlug mit der flachen Hand auf die Plane. Im ersten Moment dachte ich, dass Heiko vielleicht von Innen dagegen geschlagen hatte, um den Arsch zu vertreiben. Entschuldigt bitte meine Vulgäre Ausdrucksweise, aber das sind gerade wirklich die sanftesten Worte, die ich finden kann.

„Aufwachen, die Wichser schlagen auf unser Zelt!“ weckte ich Heiko, der sofort hellwach war. Ich öffnete den Reißverschluss unseres Innenzeltes, zog meine Schuhe an und sprang dann ganz aus dem Zelt.

„VERPISST EUCH HIER!“ schrie ich so wütend und laut wie ich nur konnte. Meine Stimme machte das nicht mehr mit und die Worte kamen in einem vollkommen anderen Ton aus meinem Hals. Das letzte Mal, das ich so geschrien hatte und dabei wirklich von jemand anderem gehört wurde, war bei einem Theaterstück in der Uni gewesen. Dort hatte ich einen betrogenen Ehemann gespielt, der seine Frau inflagranti mit dem Hauptcharakter erwischt hatte.

Mehr für dich:
Tag 521: Sinj

„Das war aber erbärmlich!“ meinte Heiko leicht belustigt und kehrte wieder ins Zelt zurück. Die Jugendlichen waren mit ihrem Auto wieder verschwunden.

Auf der einen Seite war ich schon etwas stolz auf mich, dass ich überhaupt aus mir herausgekommen war. Auf der anderen Seite spürte ich, das Heiko recht hatte. Mir wurde ein weiteres Muster bewusst, dass ich ebenfalls seit meiner Kindheit mit mir herumtrug.

Im Grunde genommen war es wieder ein Todesangst-Konflikt. Es war der Wunsch, etwas zu machen, von dem ich sogar wusste, dass ich es schaffen konnte, wenn nicht diese Angst vor dem Scheitern da wäre. Das ganze ist etwas komplex und deshalb erkläre ich es zunächst einmal an einem einfachen Beispiel. Als Kind habe ich oft versucht, ein Salto ins Wasser zu machen. Ich stand auf dem Sprungturm oder am Beckenrand und wollte Springen. Ich wusste sogar wie ich springen musste, damit es klappen würde, doch genau in dem Moment, in dem ich absprang, übermannte mich die Angst, dass es schief gehen könnte. Daher bremste ich mich selbst ab, sprang nicht aus voller Kraft, sondern nur noch zaghaft und landete somit zwangsläufig mit einem lauten Klatscher auf meinem Bauch. Die Angst, die ich in diesem Moment hatte, führte automatisch dazu, dass es schiefgehen musste. Später, als ich in meiner Zeit als Erlebnispädagoge einige Kanu-Freizeiten leitete, hatten wir auf dem Wasser immer Schwimmwesten um, die fast wie eine Art Panzerung wirkten. Mit diesen Westen spürte man nicht das Geringste, selbst wenn man noch so ungünstig auf dem Wasser aufkam. Mit diesen Westen war es plötzlich kein Problem mehr für mich, perfekte Saltos zu springen. Vom Kanu aus, vom Ufer oder auch von Bäumen die an der Böschung standen. Kaum aber hatte ich die Weste abgelegt, versagte ich wieder bei jedem einzelnen Sprung.

Eine ähnliche Situation hatte ich dann einige Zeit später, als ich mit Heiko in Nürnberg unterwegs war. Wir warteten damals auf eine Verabredung zum Essengehen und nutzten die Zeit um unser Gleichgewicht zu trainieren. Auf einem kleinen Platz gab es ein Geländer, auf dem wir auf und ab balancierten. Nach einiger Zeit funktionierte das recht gut und wir gingen dazu über, das Springen zu trainieren. Wir nahmen Anlauf, sprangen auf das Geländer und versuchten das Gleichgewicht zu halten. Dabei stütze ich mich zunächst im Sprung mit einer Hand kurz am Geländer ab und schwang meine Beine nach oben. Je länger wir übten, desto mehr merkte ich, dass ich die Hand nicht mehr brauchte. Ich stützte mich nicht mehr, sondern tippte nur noch mit einem oder zwei Fingern dagegen. Dann fühlte ich mich bereit um sie ganz weg zulassen. Doch genau in dem Moment, in dem ich Absprang wurde mir bewusst, dass mir die Hand die nötige Sicherheit gegeben hatte. Sofort tauchte die Angst vor dem Scheitern wieder auf. Mein Verstand wollte mich retten, bremste meinen Schwung ab und stürzte mich damit ins Verderben. Rittlings landete ich auf dem Geländer und hatte mehr als nur einen Schutzengel, dass ich mir dabei lediglich das Steißbein prellte. Wäre mein Oberkörper nur ein bisschen weiter nach vorne ausgerichtet gewesen, hatte ich mir meine Kronjuwelen gequetscht und hätte danach wahrscheinlich eine neue Kariere als Opernsängerin starten können.

Das gleiche Prinzip machte mir auch stets einen Strich durch die Rechnung, wenn ich mit den anderen Geschlecht zu tun hatte. Solange unser Kontakt freundschaftlicher Natur war, fühlte ich mich sicher. Da konnte man nicht viel falsch machen. Was aber war, wenn mehr daraus werden sollte? Man kann niemanden nur ein bisschen Küssen oder einem Menschen ein klein wenig seine Liebe gestehen. Entweder man macht es ganz, oder man lässt es bleiben. Ich aber suchte stets nach der Schwimmweste oder der sichernden Hand, die mir den Sprung erlaubte, ohne dabei ein Risiko eingehen zu müssen. Dass das schiefgehen musste was natürlich klar, denn niemand steht auf einen Mann, der rumdruckst und nicht weiß was er will. Das einzige, was ich auf diese Weise übermitteln konnte war Unsicherheit. Ich erinnere mich noch sehr gut an einige Situationen in denen ich einfach hätte zupacken müssen um eine wunderbare Begegnung entstehen zu lassen. Hätte ich mich wirklich getraut, hätte es funktioniert und das wusste ich auch damals in diesem Moment schon. Doch ich spürte auch die Angst davor, etwas falsch zu machen und so vielleicht eine Freundschaft für immer zu zerstören, oder auch einfach nur abgelehnt zu werden. Dadurch bremste ich mich dann ebenso aus, wie beim Salto und vergeigte jede Chance die ich hatte. Na gut nicht jede, aber ausreichend viele.

Und gestern Nacht, als diese jugendlichen Volldeppen vor unserem Zelt herumfuhren und uns terrorisierten, waren wieder die gleichen, konträren Gefühle da. Ein Teil von mir wollte wildentschlossen rausrennen, das Gesicht verzerrt vor Wut und Tatendrang, in der Hand eine Edelstahlflasche die im Mondlicht blitzte. Furchtlos vorpreschen, dem lauten Kriegsgeschrei, das aus meiner Kehle dringen möchte freien Lauf lassen und einfach nur die unbarmherzige Bestie in mir entfesseln um den erbärmlichen Möchtegernen das Fürchten zu lehren. Ein anderer Teil in mir saß jedoch wie so eine kleine Anstandsdame auf der Türschwelle unseres Zeltes und hielt ein kleines Schildchen mit der Aufschrift: „Veto!“ nach oben. Ihr zartes, zaghaftes Stimmchen erklang ganz leise aber doch unüberhörbar in meinem Geist und sagte: „Entschuldigung, aber hast du dir das auch wirklich gut überlegt? Was ist, wenn diese Männer viel stärker sind als du, und du eins in die Fresse bekommst? Daran schon mal gedacht? Was ist, wenn sie dir deine Entschlossenheit nicht abnehmen, so wie sie es bei Heiko machen und sich durch deinen kläglichen Versuch erst richtig animiert fühlen?“

Mehr für dich:
Tag 1286: Shanias Dharma

Ich spürte, wie die Entschlossenheit und der Mut langsam wieder in sich zusammensackte, wie eine Primel, die man Salzsäure anstatt mit Wasser gegossen hatte. Vor einer Sekunde hatte es noch eine gute Chance gegeben, dass ich überzeugend rüberkam und die Bande wirklich vertreiben konnte. Klar hatte dieses Risiko bestanden, von dem meine Moralstimme da sprach, doch es war verhältnismäßig klein gewesen. Nun aber wuchs es an wie eine Gewitterwolke nach einem Chemtrail-Einsatz.

„Oh, und da wäre noch etwas,“ fügte die Moralstimme hinzu und brach meiner bereits am Boden liegenden Courage damit endgültig das Genick: „Nehmen wir einmal an, du könntest dich wirklich gegen sie durchsetzen und würdest sie vielleicht sogar vertreiben. Was wäre, wenn du damit ein Fass aufmachst, dass du nicht mehr kontrollieren kannst? Was, wenn sie Verstärkung holen und du immer härter und härter gegen sie vorgehen musst? Was, wenn sie wieder die Polizei rufen, weil du vielleicht wirklich einen mit deiner Flasche verprügelst oder weil du ihr Auto beschädigst? Was, wenn ihr dann verhaftet werdet und deinetwegen den Rest eures Lebens in einem bosnischen Gefängnis verrottet? Willst du das verantworten?“

Als ich es endlich an der Anstandsdame vorbei aus dem Zelt gelangte, war meine Entschlossenheit bereits so löchrig wie ein Schweizer Käse. Ich war nur froh, dass die Jungs bereits wieder im Auto saßen und den Rückzug angetreten hatten. Jetzt noch irgendetwas hinter ihnen her zuschreien schien mir ungefährlich genug, um zumindest noch ein bisschen authentisch zu wirken. Doch es reichte nicht einmal mehr, um Heiko zu überzeugen.

Von nun an ging die Grübelei erst richtig los. Nächstes Mal würde ich es besser machen, da war ich sicher. Dann würde ich mich von der Moralstimme der Angst nicht mehr aufhalten lassen. Über eine Stunde schwelgte ich in Rachephantasien, bis sich die Motorengeräusche wieder näherten. Diesmal fuhren sie direkt auf Paulina Zelt zu und umkreisten unser Lager dann in einem engen Bogen. Heiko und ich verließen das Zelt auf der Seite, die von den Autofahrern abgewandt war. Ich merkte, dass ich dieses Mal wirklich eine Wasserflasche aus Edelstahl in der Hand hielt. Heiko war bereits bei den Jugendlichen angekommen und schlug ihnen mit der flachen Hand auf die Motorhaube. Ich folgte ihm und hielt drohend die Flasche in die Höhe. Was aber sollte ich damit machen? Sollte ich wirklich auf das Auto schlagen? Wieder stoppte mich meine Moralstimme mitten in der Bewegung und ich stand einfach nur nutzlos dar. Das Auto fuhr um Heiko herum und verschwand in Richtung Stadt.

„Gehen wir schlafen!“ meinte Heiko und kehrte ins Zelt zurück.

Doch an Schlaf war nicht zu denken. Ich lag noch immer wach und grübelte vor mich hin. Ich wusste, dass es nichts brachte, den Deppen Tod und Pest an den Hals zu wünschen, doch ich konnte nicht damit aufhören. Aus irgendeinem Grund konnte ich nicht loslassen. Erst als mit bewusst wurde, dass es nicht meine Aufgabe war, sie zu richten, wurde es besser. Handeln hat Konsequenzen und jeder Mensch zieht genau das in sein Leben, was er brauchte. Sie würden ihren Spiegel schon bekommen, da brauchte ich mich nicht drum zu kümmern. Im Gegenteil, je mehr ich mich in meinen Wut-Gedanken verstrickte, desto eher zog auch ich wieder Dinge an, die mich Aufregen und Unglücklich machen würden. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie erbärmlich diese Menschen eigentlich waren. Ihr Verhalten war ja kein Spaß für sie, keine rücksichtsloses Verbrechen für das es einer Strafe bedurfte. Es war bereits die Strafe. Wie traurig musste mein Leben sein, wenn der Höhepunkt meiner Woche darin bestand, sternhagelvoll mit dem Auto aus der Stadt zu fahren um Menschen zu belästigen, die friedlich schlafen wollen? Nur weil ich mich so langweile, dass ich mich am liebsten erschießen möchte. Nur, weil es nichts in meinem Leben gibt, das mir einen Sinn gibt oder mir Freude bereitet. Nur, weil ich eifersüchtig auf ein Leben in Freiheit bin, das ich selbst niemals haben werde. Nur, weil mein eigener Frust so hoch ist, dass ich ohne Alkohol und Pöbeleien nicht mehr damit Zurecht komme. Und dann bin ich auch noch so eine erbärmlich feige Sau, dass ich mir nicht einmal einen anständigen Gegner suchen kann, sondern Menschen überfalle, die schlafen und damit wehrlos sind. Als gäbe es in dieser verkorksten Stadt nicht genügend Vollidioten mit denen ich eine Schlägerei anfangen kann, ohne damit jemandem auf den Keks zu gehen.

Mehr für dich:
Tag 638: Schuld als Waffe – Teil 3

Erst als ich die Saufbolde loslassen konnte, konnte ich auch wieder zu mir selbst zurückkehren und einigen konstruktiven Gedanken nachgehen. Was war nun mit diesem Konflikt zwischen Mut und Angst? War es vernünftig vorsichtig zu sein, oder saß hier ein Kernpunkt, der mich davon abhielt wirklich frei zu sein?

Das Stichwort hieß Todesangst. Auch wenn ich in letzter Zeit viel über dieses Thema gelernt hatte und eigentlich wusste, dass dieses Leben nur ein Kapitel im unendlichen Buch meiner Seele war, hing ich trotzdem daran fest als wäre es ein klebriger Kaugummi. Noch immer kann ich nicht darin vertrauen, dass alles was geschieht, meiner Entwicklung dient. Wenn ich sterbe, während ich eine Kernangst löse, dann ist das eigentlich ein positives Ereignis, über das man sich freuen sollte. Klar klingt das nun erst Mal paradox und es widerspricht allem, was wir normalerweise so denken, hören und lernen. Aber genau darum geht es ja auch. Wir leben in einer permanenten Gefangenschaft unserer eigenen Angst. Der Angst davor, dass wir vielleicht sterben könnten. Dabei wissen wir nicht einmal, ob der Tod überhaupt etwas negatives ist. Wir haben nur Angst davor, weil wir ihn nicht kennen. Weil wir glauben, dass wir nicht wissen, was uns dann erwartet. Kommen wir wirklich in eine Art Hölle, in der wir für all unsere Taten gerichtet werden? Oh mein Gott! Dann darf ich niemals Sterben, weil mir so viele Dinge peinlich sind, ich mich dafür schäme und mich schuldig fühle! Kommt daher unsere Angst vor dem Tod? Weil wir Angst davor haben dass unser Handeln dann wirklich einmal Konsequenzen hat und wir genau wissen, was für verkackte Strümpfe wir eigentlich sind? Wenn ja, ist diese Angst nicht besonders hilfreich, denn die Quittungen bekommen wir ja bereits in diesem Leben. Die Hölle, vor der wir uns im Jenseits fürchten erschaffen wir uns durch unsere Angst ja bereits jetzt. Außerdem kreieren wir Dinge wie Schuld, Scham, Sünde und Fehler ja nur in unserem Kopf. Es gibt sie nicht wirklich und somit kann es auch keine wirkliche Strafe geben.

Fortsetzung folgt ….


Spruch des Tages:

Warum verwirklichen denn nur so wenige ihren Traum vom großen Abenteuer?
Weil die meisten Leute mehr Angst vor dem Leben haben als vor dem Tod!
Es muß alles abgesichert sein, es ist ja so schön bequem und sicher hier in Deutschland…
Leider sind sich die Meisten nicht bewusst das wir nur ein Leben haben und dies bestmöglich nutzen sollten !
Jeder muss sich fragen, will er LEBEN oder nur EXISTIEREN…
Beim Existieren macht man sich abhängig von den Umständen.
Leben dagegen heißt ins Wasser zu springen und wenigstens versuchen zu schwimmen.
Das ist oft kompliziert, macht aber unser Leben erst wirklich aufregend.
(Ch. Breier)

 

Höhenmeter: 60 m
Tagesetappe: 10 km
Gesamtstrecke: 10.129,77 km
Wetter: sonnig und heiß, nachmittags ein kurzes, knackiges Gewitter
Etappenziel: Zeltplatz im Wald, draußen vor der Stadt, Han Pijesak, Bosnien und Herzegowina

(Bereits 25 mal gelesen, heute 1 mal)

Bewertungen:

 
0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.