Reiterstatue in Cherbourg

Tag 1354: Sehenswürdigkeiten in Cherbourg

20.09.2017

Kaum etwas hatte uns je in unserem Leben so froh gemacht, wie der Umstand, dass wir die Fähre verlassen und wieder auf festen, nicht vibrierenden Boden treten durften. Frankreich empfing uns mit geschlossener Wolkendecke aber warmen Temperaturen und auch wenn der Hafen selbst noch nicht allzu einladend aussah, freuten wir uns doch wieder hier zu sein.

Segelschiffe im Yachthafen von Cherbourg

Segelschiffe im Yachthafen von Cherbourg

Es war absolut faszinierend! Cherbourg war definitiv alles andere als eine schöne Stadt. Es war, verglichen mit vielen anderen sogar eine durchaus hässliche Stadt, so wie es von einer großen Hafenstadt ja auch zu erwarten gewesen war. Und dennoch war es um ein hundertfaches angenehmer, hier an der Hauptstraße entlang in die Innenstadt zu laufen, als in Großbritannien auf irgendeiner Nebenstraße durch eine X-beliebige Kleinstadt gehen zu müssen. Allein der Asphalt machte einen so großen Unterschied aus, dass man es kaum in Worte fassen kann.

Kunstwerk im Industrie- und Fährhafen von Cherbourg

Kunstwerk im Industrie- und Fährhafen von Cherbourg

Und das war noch nicht alles. Es gab hier eine Fußgängerzone und einen verkehrsberuhigten Bereich, in dem nahezu keine Autos fuhren. Die Geschäfte lagen an kleinen Gassen in der Innenstadt verstreut und nicht aneinander gereiht zu beiden Seiten der Hauptstraße. Auch hier waren viele Häuser schäbig, verfallen und heruntergekommen aber trotzdem hatten sie ihren Charme und einen besonderen Stil.

Kirche in der Innensradt von Cherbourg

Kirche in der Innensradt von Cherbourg

Der Unterschied bestand darin, dass die Menschen hier eine gewisse Liebe zum Detail hatten. Die Stadt als ganzes war hässlich, keine Frage, aber man fand überall kleine Akzente, die einen sofort wieder versöhnlich stimmten. Hier eine kunstvolle Fassade, dort ein schönes Bild an der Wand, da ein paar bunte Blumen. Irgendwie steckte leben in der Stadt und man spürte, dass die Menschen versuchten, das beste aus ihrer Situation zu machen. Und das funktionierte, denn auf diese Weise entstanden immer wieder kleine Oasen, in denen man sich wirklich gut aufhalten konnte. In denen man Teilweise sogar vergaß, dass man sich im Hafenviertel einer Großstadt befand.

Kleine Shops im Zentrum der Stadt

Kleine Shops im Zentrum der Stadt

Vor unserer Überfahrt hatten wir bereits eine Verabredung mit dem örtlichen Pfarrer getroffen, der uns die Nacht über bei sich aufnehmen wollte. Das Pfarrhaus befand sich gute zwei Kilometer außerhalb in einem Vorort und als wir dort eintrafen kam Pater John-Philipp gerade mit einer Tüte vom Einkaufen zurück. Ursprünglich war das Pfarrhaus nur als Gemeindezentrum gedacht gewesen, doch heute lebten drei Pfarrer in den Gebäuden, weshalb sich die Gemeinschaftssäle mit den Privatgemächern mischten. Wir setzen uns ins Wohnzimmer, während John-Philipp mit dem kochen begann. Auch das war noch einmal ein großer Unterschied. Es gab kein Fastfood, sondern frisch zubereitetes Gemüse mit Reis und Lammfleisch.

Wir treffen auch unsere Pfadfinder wieder

Wir treffen auch unsere Pfadfinder wieder

Den Nachmittag verbrachten wir zur Hälfte mit einer Sight-Seeing-Tour durch die Innenstadt und zur anderen Hälfte damit, uns zu erholen und liegengebliebene Arbeiten aufzuholen. Erst jetzt spürte ich das laute Dröhnen in meinem Kopf, in dem noch immer die Schiffsmotoren nachhallten.

Spruch des Tages: Frankreich, wir haben dich vermisst!

Höhenmeter 135 m

Tagesetappe: 11km

Gesamtstrecke: 25.522,27 km

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Wetter: überwiegend sonnig

Etappenziel: Gemeindesaal, Nouâtre, Frankreich

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