Der perfekte Wochenendurlaub im romantischen Schloss

Tag 1294: Schlossbesichtigung

12.07.2017

Schottland ist berühmt für seine Schlösser und heute, nach rund drei Wochen in diesem Land, haben wir auch das erste Mal eines gesehen. Gleich gegenüber der Kirche, die unser letzter Schlafplatz war, befand sich ein großes Eingangsportal, auf dem in großen, goldenen Buchstaben der Name des Schlosses zu lesen war. Durchschritt man dieses Tor, landete man jedoch zunächst einmal in einer Neubausiedlung samt Grundschule, die nicht das Geringste mit einem Schloss zu tun hatte. Diese musste umrundet werden und schon befand man sich…

Das Eingangsportal zum Schlossgelände

Das Eingangsportal zum Schlossgelände

Nein, noch immer nicht auf dem Schlossgelände, sondern auf einem Golfplatz. Wobei das in diesem Fall wohl das selbe war, denn offensichtlich war das Schloss in ein Hotel und der Park in einen Golfplatz umgebaut worden. Bis zum eigentlichen Schloss waren es dann noch zwei Kilometer und wenn man auch die zurückgelegt hatte, konnte man hinter dem dichten Buschwerk bereits einen Bauzaun, das obligatorische „Betreten Verboten“-Schild und einen großen, roten Gastank ausmachen. Vom Schloss selbst sah man noch nichts. Es zeigte sich erst hinter der nächsten Kurve und war feierlich in ein Baugerüst gehüllt. Erst auf der Rückseite, die dem früheren Garten (Heute Loch 15) zugewandt war, erkannte man, dass es sich wirklich um ein großes und prachtvolles Schloss handelte. Es beherbergte nun eine Bar und besagtes Hotel, die jedoch bei de geschlossen hatten. Sommer war offenbar nicht die Zeit, in der man hier glaubte, Kunden abgreifen zu können. Das lag ja auch irgendwie nahe. Im Sommer waren die Leute nur enttäuscht, weil niemals die Sonne schien und das produzierte nur Unzufriedenheit. Im Winter erwartete ohnehin jeder, dass das Wetter mies wurde, also störte es auch keinen. An dieser Stelle muss ich jedoch fairer Weise erwähnen, dass wir heute tatsächlich den ersten Sonnentag seit Wochen hatten. Es regnete fast gar nicht und nur etwa 40% des Himmels war mit Wolken verhangen. Der herrlichste Tag also, den man sich hier nur vorstellen kann. Doch zurück zum Schloss.

Die einzigen lebenden Menschen die wir hier antrafen waren zwei Gärtner, die mit einem großen und einem kleinen Mäher den Golfplatz mähten. Nicht das dieser hätte gemäht werden müssen, denn man konnte mit dem bloßen Auge nicht erkennen, wo bereits gemäht wurde und wo nicht. Dafür aber konnte der Mann auf dem großen Rasenmäher Heiko anmeckern, weil dieser auf den Rasen getreten war, um ein Foto zu machen.

Das Eingangsportal zum Schlossgelände

Schloss mit Golfpark

Unser Weg sollte eigentlich am Schloss vorbei über eine kleine Fußgängerbrücke und dann hinauf in die Berge führen. Doch bereits als wir das Schloss halb umrundet hatten, stießen wir auf ein Schild mit „Zutritt verboten!“ Zunächst ließen wir uns nicht davon abhalten und gingen einfach weiter. Es war ja ohnehin niemand hier, den das hätte stören können. Nach einigen Metern verstanden wir dann, warum man das Schild aufgestellt hatte. So schön das Schloss von der Vorderseite auch war, so vermüllt war der Bereich hinter dem Haus. Das erste, an dem wir vorbei kamen waren die alten Baracken für das Dienstpersonal. Sie waren noch immer in Benutzung, machten aber einen schäbigeren und heruntergekommeneren Eindruck, als die Sklavenburgen die wir in Griechenland und Bulgarien für die Sinti- und Roma-Arbeiter gesehen hatten. Ganz offensichtlich hatte sich hier im Bezug auf die Arbeitskräfte in einem Schloss seit dem Mittelalter noch immer nicht allzu viel geändert. Hinter diesen Baracken befand sich dann der Müllplatz. Hier war einfach alles in die Walachei gekippt worden. Und ich meine wirklich alles! Fernseher, Autoteile, Matratzen, Mikrowellen, Bauschutt, Essensreste, tote Tiere, Gartenabfälle, Altkleider und vieles mehr. Teilweise lag es verstreut, teilweise war es auch zu kleinen Häufchen aufgetürmt worden, die bereit halb mit Erde und Pflanzen bedeckt waren. Erst jetzt fiel uns auf, wie viele von diesen kleinen, bewachsenen Erdhaufen es hier gab. Sie waren sicher nicht natürlich, sondern verdeckten weitere Müllberge unter sich. Wenn man sie hinzuzählte musste hier der gesamte Müll der letzten dreißig oder mehr Jahre liegen. So viel also zum Thema Reinlichkeit bei Adelshäusern.

Antike Steinbrücke am Fluss

Antike Steinbrücke am Fluss

Hinter der Privatmüllhalde sollte unser Weg dann über die Brücke führen. Zu unserer Überraschung mussten wir jedoch feststellen, dass sie gesperrt und kurz vor dem Zusammenbrechen war. Sie zu passieren war unmöglich und der Fluss selbst war bedeutend zu tief und zu schnell, um ihn durchqueren zu können. Uns blieb also nichts, als unseren kleinen Abstecher hier her als Schlossbesichtigung zu betrachten und zur nächsten Autobrücke zurückzugehen. Diese lag aufbauender Weise genau neben der Kirche, an der wir am Morgen gestartet sind. Wir hatten nun also 5km zurückgelegt und standen genau eine Stunde später wieder am Ausgangspunkt. Wenn nur der Weg heute nicht ohnehin schon mehr als 30m lang wäre…

Spruch des Tages: Umwege erhöhen die Ortskenntniss

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Tag 23: Die Toskana Deutschlands

Höhenmeter: 120 m

Tagesetappe: 12 km

Gesamtstrecke: 24.042,27 km

Wetter: Bedeckt und regnerisch

Etappenziel: Privathaus, BT53 8BJ Dervock, Nordirland

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