Tag 683: Richtiger Umgang mit Trennungssituationen – Teil 1

Fortsetzung von Tag 682:

Wenn doch jeder Mensch ein Spiegel für uns war, machte es dann überhaupt einen Sinn, sich von ihm zu trennen? War eine Trennung, egal ob von Paulina, von meinen Eltern oder sonst jemandem, am Ende nicht so, als würde man seinen Badezimmerspiegel zerbrechen oder aus dem Fenster werfen, nur um sich anschließend einen neuen an die Wand zu hängen? Es würde in diesem Fall ja letztlich nichts ändern, denn der neue Spiegel würde wieder nur genau das gleiche Zeigen wie der alte. Klar hätte er vielleicht einen anderen Rahmen und am Anfang würden wir uns darüber freuen, wie viel besser er zu unserer Badezimmereinrichtung passte. Doch früher oder später würden wir im Spiegel wieder genau das erkennen, was ein Spiegel zwangsläufig immer zeigen musste. Uns selbst und unsere eigenen Lebensthemen. War eine Trennung dann also jemals sinnvoll? Konnte sie überhaupt sinnvoll sein? Wenn nicht, wie passte das dann zu der Idee, dass das Leben ein Fluss voller Wandlungen war und dass Trennungen und Verluste ein fester, wichtiger und sinnvoller Bestandteil davon waren? Und vor allem: Was war nun das hilfreichste Verhalten, wenn es um die Frage ging, ob man sich trennen sollte oder nicht?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage kann es natürlich nicht geben. Das worauf es ankommt, ist das Gefühl. Denn je nachdem, wie sich die ganze Situation anfühlt, gibt es verschiedene Möglichkeiten dafür, was einen wirklich weiterbringen kann, und was nur einen Spiegel durch einen neuen ersetzt.

Zum einen muss man sich erst einmal fragen, was gerade der Spiegel ist, in den man hineinschaut. Ist es die Person, oder ist es die Situation? Habe ich diese Person in mein Leben gezogen, damit ich mich in ihr spiegeln und erkennen kann? Oder habe ich die Situation der Trennung als Spiegel in mein Leben gezogen um meine eigenen Überzeugungen zum Thema loslassen zu erkennen? Im ersten Fall werde ich nach einer Trennung zwangsläufig wieder neue Personen anziehen, die mir das gleiche spiegeln. Im zweiten Fall werde ich im Falle einer Nichttrennung jedoch immer wieder Situationen anziehen, in denen ich loslassen muss.

Da aber alles ein ist und unsere komplette Welt nur immer wieder uns selbst spiegeln kann, trifft in der Regel beides gleichzeitig zu. Genau dies war es auch, was uns bei Paulina immer wieder so stark verwirrt hat. Auf der einen Seite hatten wir oft das Gefühl, dass es wichtig war, sie loszulassen, weil es den Anschein machte, dass wir so nicht weiter kamen. Gleichzeitig waren wir uns aber auch bewusst, dass sie nichts weiter tat, als uns zu spiegeln und dass es auf der Welt keine andere Person gab, die als Herdenmitglied nicht die gleichen Themen auf den Tisch bringen würde. Wir entschieden uns also mehrfach dafür, den Spiegel „Paulina“ zu behalten und den Spiegel „Trennungssituation“ zu zerbrechen. Da wir die Aufgabe, die im Spiegel „Trennungssituation“ steckte jedoch nicht lösten, kehrten diese Situationen immer und immer wieder zu uns zurück, so dass das Zusammenleben mit Paulina eine Achterbahnfahrt aus Beinahe-Trennungen und Wiedervereinigungen wurde. Schließlich aber wandelte es sich und wir konnten Paulina loslassen, wodurch wir gleichzeitig die Lernaufgabe annahmen, die im Trennungs-Spiegel steckte. Wie aber kam es dazu?

Im Hawaiianischen gibt es eine Philosophie, die sich grob mit „Ein Ende ist ein Ende“ übersetzen lässt. Sie besagt, dass es für alles eine richtige Zeit gibt, sowohl für das Zusammensein als auch für die Trennung. Und wieder kommt es dabei rein auf das Gefühl an. Fühlt sich der Gedanke an eine Trennung schwer an, spürt man Groll, Zorn, Enttäuschung oder ähnliche, kurz gesagt: Tickt einen die Situation an, so dass man dabei starke Emotionen spürt, dann gibt es noch immer eine Lernaufgabe, die nicht gelöst ist. Ich habe im Spiegel also noch nicht alles gesehen, was es zu sehen gibt und die Spiegelpartnerschaft ist noch nicht beendet. Wenn ich sie nun trotzdem beende, dann führt das dazu, dass ich einen neuen Spiegelpartner in mein Leben ziehe, der mir das gleiche noch einmal vor Augen führt, damit ich es dann erkennen kann.

Fühlt es sich jedoch leicht an, den Menschen loszulassen, habe ich das Gefühl, dass es das Richtige ist, spüre ich eine Erleichterung, lacht mein Herz dabei oder fällt mir ein Stein vom Herzen, dann ist das Ende an dieser Stelle genau richtig. Ich habe alles gelernt, was es zu lernen gibt und es gibt nun keinen Grund mehr, weiter aneinander festzuhalten.

Mehr für dich:
Tag 433: Grenzen setzen

Wie aber war es bei uns? Wie war es bei Paulina, Heiko und mir? Und wie war es bei mir und meinen Eltern?

Die ersten Male, bei denen wir kurz vor einer Trennung mit Paulina standen, war der Zeitpunkt definitiv noch nicht gekommen, an dem wir in ihr als Spiegel alles gesehen haben, was es zu sehen gab. Deswegen fühlte es sich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht richtig an, wirklich einen Schnitt zu machen, auch wenn wir es im Nachhinein vielleicht als Sinnvoll erachteten. Klar wäre es einfacher gewesen, sich von vornherein abzugrenzen, doch dann hätten wir auch alles andere Verpasst, was wir durch Paulina lernen und von ihr erhalten durften.

Vollkommen in Leichtigkeit hatte die Trennung gestern Abend noch immer nicht stattgefunden, andernfalls würden wir wohl kaum noch immer im Bett liegen und darüber nachsinnen. Doch wenn wir einmal wirklich in uns hineinfühlten, dann hatten wir schon das Gefühl, dass es der richtige Schritt gewesen ist. Es war eine Erleichterung und es fühlte sich freier an, von nun an getrennte Wege zu gehen. Das einzige, was dieser Freiheit wirklich im Wege stand war das Gefühl, für sie verantwortlich zu sein. Es war nicht so, dass wir die Leichtigkeit nicht spürten, sondern viel mehr dass wir glaubten, sie nicht spüren zu dürfen, wenn wir ihr zusehen mussten, wie sie in eine Richtung ging, in der nach unserer eigenen Ansicht ihr Verderben lag. Wohl gemerkt nach unserer Ansicht. Was sie wirklich dort erwartete wussten wir nicht und was immer es auch war, war möglicherweise genau das Richtige für sie. Es war sogar höchst wahrscheinlich genau das Richtige für sie.

Die Trennung selbst fühlte sich also nicht falsch an, sondern war mit einem Gefühl der Erleichterung verbunden, so wie es die Hawaiianer für eine Trennung prophezeien, die zum richtigen Zeitpunkt stattfindet. Schwer fühlten sich nur die Gedanken an, die weniger mit Paulina und mehr mit unseren Erwartungshaltungen zu tun hatten.

Ganz ähnlich war es auch bei meinen Eltern. Meine Mutter fragte mich später noch einmal in einer Mail, ob ich unter der Trennung und unserem Kontaktabbruch litt. Ich hatte damals das Gefühl, dass es meine Verpflichtung als Sohn sei, diese frage mit einem Ja zu beantworten, doch ich konnte es nicht. Ich fühlte kein Leid und kein Schmerz, sondern die gleiche Erleichterung wie jetzt bei Paulina. Nicht deshalb, weil ich froh war keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern zu haben, sondern weil ich spürte, dass es gerade der richtige Schritt gewesen war. Ganz sicher gibt es noch viele Dinge, die ungeklärt und ungelernt sind und für die ich seither auch schon einige neue Spiegel bekommen habe. Doch für die Situation selbst fühlte es sich gerade richtig an. Der Kontakt zuvor war vor allem von leidbringenden Vorwürfen, Anschuldigungen, Rechtfertigungen und Trotzreaktionen geprägt, durch die kaum noch ein Lernen möglich war. Ich war damals so sauer auf meine Eltern, dass ich den Spiegel vollkommen zerkratze, um mich darin nicht mehr sehen zu müssen. Daher konnte ich zunächst auch nichts weiter daraus lernen.

Gleichzeitig war ich aber auch nicht bereit gewesen, vollkommen loszulassen. Ich hatte noch immer Angst, war wütend, enttäuscht und voller Gram und Zorn. Aus diesem Grund konnten sich auch bis heute die Sätze „Ich bin ein schlechter Mensch, weil ich den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen habe“ und „Ich muss mich mit meinen Eltern aussöhnen, sonst werde ich es immer bereuen, wenn sie sterben“ in meinem Bewusstsein halten. Aber was steckte eigentlich hinter diesen Gedanken?

Mehr für dich:
Tag 233: Die Schulmedizin-Lüge

Die Kernessenz, die hinter allen Lebensaufgaben und allen Spiegelpartnerschaften verborgen liegt, ist im Grunde vollkommen simpel, wenngleich sie uns so abstrakt erscheint, dass wir sie kaum annehmen können. Sie lautet schlicht und ergreifend: „Wir sind Gott!“

Ok, ich merke schon die Runzeln auf eurer Stirn und viele werden vielleicht sogar sagen, dass dieser Gedanke entweder ketzerisch oder total bescheuert ist. Aber er ist weder das eine noch das andere. Er ist eigentlich sogar ganz logisch und steckt mit unterschiedlichen Worten seit Jahrtausenden als Kernessenz in nahezu allen Religionen und Philosophien.

Die Sache ist folgendermaßen. Das ganze Universum besteht im Grunde nur aus einem einzigen Stoff und zwar aus Energie, die in unterschiedlichsten Formen in Erscheinung tritt. Nennt diese Energie wie ihr wollt, Urenergie, Matrix oder wie auch immer. Wir nennen sie meist Liebe oder aber eben Gott. Beide Begriffe sind etwas ungewohnt in diesem Zusammenhang, machen aber recht deutlich, worum es geht. Denn das Universum besteht nicht nur einfach aus Energie, sondern aus einer intelligenten Energie, die sich selbst in alles Formen kann, was sie möchte. Sie ist ein allmächtiger Stoff, der versucht sich stets weiter auszubreiten und auf alle erdenklichen Arten selbst zu erfahren. So gesehen ist das Universum also nichts anderes als die Welt, die im Traum in unserem Kopf entsteht. Es macht den Anschein, als bestünde es aus lauter von einander unabhängigen Einzelteilen, die miteinander agieren. Doch in Wirklichkeit ist alles miteinander identisch. Alles sind Aspekte eines einzigen großen Geistes. Und weil sich der Begriff für diesen allesumfassenden, großen Geist bereits relativ gut eingebürgert hat, nennen wir ihn an dieser Stelle Gott.

Gott ist nun also kein alter Mann mit weißem Bart, der irgendwo auf seiner Wolke sitzt. Gott ist die Schöpfung selbst. Er bestimmt nicht, was mit ihr geschieht, gibt keine Befehle und schaut nicht auf sie herunter um zu sagen, was gut ist und was nicht. Er IST die Schöpfung und alles in der Schöpfung ist Gott.

Um das ganze noch ein bisschen anschaulicher zu machen, kann man sich die Schöpfung, bzw. Gott als einen riesigen, unendlichen Ozean vorstellen. Er besteht aus unendlich vielen Wassertropfen, die alle miteinander verschmelzen. Man kann sich nun einbilden, dass jeder Wassertropfen ein für sich alleine stehendes Individuum ist, aber die Trennung zwischen den einzelnen Tropfen wäre künstlich. Wo will man eine grenze zwischen zwei Wassertropfen ziehen, die gemeinsam in einem Ozean schwimmen? Das ist unmöglich. Es sei denn, wir erschaffen uns diese Grenze mit Hilfe unserer Phantasie und Formen auf diese Weise die Illusion einer Welt, die nur aus Wassertropfen besteht. Jeder dieser Wassertropfen ist nun aber nichts anderes als ein winzig kleiner Teil von Gott. Wenn wir nun davon ausgehen, dass Gott die Unendlichkeit ist, reicht eine einfache mathematische Rechnung um herauszufinden, was wir sind. Egal wie klein ein Bruchteil der Unendlichkeit auch sein mag, er bleibt unendlich.

Ihr glaubt das nicht? Bleiben wir also einen Moment mal bei dem Sinnbild der Mathematik. Es gibt unendlich viele Zahlen, sowohl im positiven als auch im negativen Bereich. Diese Gesamtheit aller Zahlen repräsentiert Gott. Wir selbst sind nun vielleicht nur ein winzig kleiner Teil, dieser Zahlen, sagen wir mal, der Abstand zwischen eins und zwei. Schauen wir uns diesen Bereich oberflächlich an, so wie wir es auch mit uns selbst normalerweise tun, dann kommt er uns extrem klein und begrenzt vor. Schon als kleine Kinder lernen wir, das zwischen eins und zwei nichts kommt. Sie folgen direkt aufeinander. Doch das ist nicht ganz richtig! Später nämlich lernen wir, dass es Kommazahlen gibt. Nun wird der Abstand zwischen eins und zwei schon größer, denn er umfasst auch 1,1, 1,2, 1,3 und so weiter. Schauen wir noch genauer hin, erkennen wir, dass wie diese Kommazahlen beliebig oft erweitern können. Nach 1 kommt dann 1,000001 oder 1,0000000001 oder 1,000000000001. Zwischen eins und zwei liegt also eine komplette Unendlichkeit. Und nicht nur da, sondern auch der Abstand zwischen 1,0000000000001 und 1,0000000000002 ist unendlich groß. Egal wie klein wir die Einheiten auch machen wollen, in jeder einzelnen steckt die Unendlichkeit.

Mehr für dich:
Tag 561: Die Herde

Und genau das gleiche gilt auch für uns. Als ein winzig kleiner Teil von Gott sind wir Gott. Und nicht nur wir, sondern alles, was irgendwo in diesem Universum existiert. Etwas zu finden, das nicht Gott ist, wäre so als wollte man versuchen, eine Zahl zu finden, die nicht zur Allgemeinheit der Zahlen dazu gehört. Jeder Mathematiker würde euch einen Vogel zeigen, wenn ihr das versuchen würdet und beispielsweise behauptet: „Die 13, die ist eine Unglückszahl, die gehört nicht zu den anderen mit dazu, die bringt nur Pech und keiner mag sie!“

In der normalen Welt machen wir aber genau das. Wir glauben, dass es einen Teil gibt, der zu Gott, also zur Liebe dazu gehört und einen anderen Teil der nicht dazu gehört. Doch dies ist unmöglich. Gott ist alles, was existiert und somit ist alles ein Teil von Gott, also ist alles eins.

Genau um diese Erkenntnis geht es. Dies ist es, was alle großen Meister aller Schulen letztlich suchen: Die Erkenntnis, dass sie Gott und damit eins mit allem sind, was existiert. Doch ich muss euch enttäuschen. Den Satz „Alles ist eins!“ zu verinnerlichen reicht für diese Erkenntnis leider nicht aus. Es geht wie immer nicht darum, was wir vom Kopf her verstanden haben, sondern darum, was wir wirklich glauben und als tiefe, unumstößliche Wahrheit erkannt haben.

Doch was hat das ganze nun mit der Situation mit meinen Eltern zu tun?

Jede Trennungssituation und jeder Verlust weist uns letztlich auf genau diese Erkenntnis hin, dass wir selbst ein Teil der Unendlichkeit und als solcher auch untrennbar mit allem verbunden sind. Auch wenn wir einen physischen oder kommunikativen Kontakt zu jemandem abbrechen bedeutet das nicht, dass er damit nicht mehr länger mit uns verbunden ist. Die Verbindung bleibt bestehen, weil alles eins ist. Wenn ich das erkannt habe, dann weiß ich auch, das nichts wirklich verschwinden kann. Ich muss nun also nicht mehr länger darunter leiden, dass ich etwas oder jemanden loslasse, da ich weiß, dass alles jederzeit wieder in Erscheinung treten kann, wenn es gerade richtig ist. Alles ist immer da, auch wenn es gerade aus unserer Wahrnehmung verschwindet. Wenn wir eine Tasse mit leckerem Tee in der Hand halten und davon überzeugt sind, dass sie zu Boden fallen, zerbrechen und für immer verloren gehen wird, sobald wir sie loslassen, dann klammern wir uns daran fest. Wird uns jedoch bewusst, dass wir einen Tisch haben und dass sie sicher dort stehen bleibt, dann fällt es uns leicht sie loszulassen. Wir drehen uns um und können sie nun nicht mehr sehen oder fühlen. Sie ist rein auf unsere Wahrnehmung bezogen aus unserer Welt verschwunden. Trotzdem wissen wir, dass sie noch immer da ist und dass wir sie jederzeit wieder in unser Wahrnehmungsfeld zurückholen können, wenn wir es wollen. Das gleiche passiert auch mit allem anderen, das aus unserem Leben verschwindet, sobald wir erkennen, dass wir eins mit Gott und damit auch mit dem sind, was wir verloren zu haben glauben. Wir erkennen, dass es nicht wirklich weg ist, auch wenn wir es gerade nicht wahrnehmen können. Es ist nun kein Verlust mehr, sondern nur noch ein Wandel unserer Wahrnehmung.

Fortsetzung folgt…

 

Spruch des Tages: Macht es Sinn, loszulassen, wenn doch alles nur ein Spiegel ist?

Höhenmeter: 430 m

Tagesetappe: 26 km

Gesamtstrecke: 12.165,27 km

Wetter: bewölkt

Etappenziel: Schulungsraum unter der Kirche, 75023 Montalbano Jonico, Italien

Hier könnt ihr unser und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

(Bereits 20 mal gelesen, heute 1 mal)

Bewertungen:

 
0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.