Raue Wellen vor der Küsre

Tag 1313: Mit Highspeed über die Wellen

26.07.2017

Zum Abschied zeigte sich Schottland noch einmal so, wie es sich am liebsten präsentierte: Mit strömendem Regen. Unser Kirchensaal lag keine Hundert Meter vom Hafen entfernt und trotzdem schafften wir es durchnässt bei unserer Fähre anzukommen.

Morgenstimmung im Hafen: Trotz Regen hübsch anzusehen.

Morgenstimmung im Hafen: Trotz Regen hübsch anzusehen.     

Als wir eintrafen war der Kapitän gerade dabei, das Gepäck unserer Mitpassagiere unter Deck zu verstauen. Ein Blick auf unsere Pilgerwagen ließ seine Stimmung nicht gerade in die Höhe schnalzen. „Na super! Was soll denn das jetzt noch!“ war der Gedanke, der ihm unverblümt auf die Stirn getackert war.

Der Leuchtturm über der Küste - Eines der letzten Gebäude, das wir von Schottland noch sehen.

Der Leuchtturm über der Küste – Eines der letzten Gebäude, das wir von Schottland noch sehen.

„Sind Sie unser Capt´n?“ fragte ich und erklärte dann, dass wir die beiden Pilger waren, die bereits telefonisch angekündigt wurden. Sofort hellte sich seine Miene auf. Der Satz von seiner Stirn verschwand und wurde durch einen neuen ersetzt: „Oh, wenn das so ist, ist ja alles gut!“ Er war sichtlich erleichtert, dass nun klar war, dass unser Gepäck am Oberdeck bleiben konnte und wir nicht darauf bestehen würden, es die schmale Stiege hinab in den engen Lagerraum hieven zu lassen. Er warf uns ein paar Taue und Spanngurte zu und vertraute darauf, dass wir wussten wie man Dinge so befestigte, dass sie auf rauer See nicht von Bord geschleudert wurden.

Die See empfängt und mit rauen Wellen

Die See empfängt und mit rauen Wellen

Das Schiffchen selbst war eine kleine Yacht von etwa 10m Länge mit 12 Passagierplätzen sowie einen Platz für den Kapitän und einen für den Matrosen. Anders als wir es erwartet hatten, waren die Plätze tatsächlich vollkommen ausgebucht, wobei alle anderen Passagiere zu einem Golfer-Trupp gehörten, der in Irland ein paar Löcher zu spielen. (Mehr zum Thema Fährverbindungen zwischen Schottland und Irland erfahrt ihr hier: Fährverbindungen zwischen Schottland und Nordirland)

Wir dürfen sogar einer schwimmenden Robbe zusehen.

Wir dürfen sogar einer schwimmenden Robbe zusehen.

Einmal an Bord gab es zunächst eine kurze Sicherheitseinweisung sowie eine sich selbst aufblasende Schwimmweste für jeden. Dann ging es auch schon los. Zu unserer Überraschung war der Motor der Yacht bei weitem lauter als wir es erwartet hätten. Rein Geräusch technisch gab es also nur wenige Unterschiede zwischen einer kleinen Fähre wie dieser und einer großen Autofähre. Dafür hatten wir nun aber den Vorteil, dass die Aufenthaltszeit an Bord fast mit der Zeit der Überfahrt übereinstimmte und wir nicht noch eine Stunde im Hafen herumstanden, wie bei der Verbindung von Frankreich nach England.

Die Robbe freut sich über das Spiel mit den Wellen

Die Robbe freut sich über das Spiel mit den Wellen

Die ersten paar Meter waren noch relativ ruhig, da wir uns inmitten einer tiefen Bucht befanden, die zudem von einer vorgelagerten Insel geschützt wurde. Dass dies jedoch nicht so bleiben würde war spätestens seit einem Kommentar unseres Kapitäns gegenüber einem unserer Golferfreunde klar: „Die See hier ist nicht ohne und es gibt bereits an schönen Tagen einige Bereiche in denen es sehr Anspruchsvoll werden kann. Heute ist allerdings keiner dieser schönen Tage!“

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Die Robbe freut sich über das Spiel mit den Wellen

Die Wellen schlagen gegen die Felskueste

Trotzdem bekamen wir schon ein erstes Highlight geboten, noch ehe wir den Hafen ganz verlassen hatten. Nur wenige Meter neben unserer Yacht schwamm eine Seerobbe. Als sie uns sah reckte sie ihren Kopf aus dem Wasser und schaute und einen Moment mit ihren glänzend schwarzen Augen an bevor sie wieder abtauchte.

Whale-Watching: Un der Ferne schwimmt ein Delphin vorbei

Whale-Watching: Un der Ferne schwimmt ein Delphin vorbei

Dann gab der Kapitän ebenfalls Speed und beschleunigte bis auf das Maximum, was der kleine Kahn zu bieten hatte. Wie ein Pfeil schossen wir nun über die Wellen dahin. Nur wenige Minuten Später hatten wir die Insel erreicht. Oben am Rande einer Steilküste stand ein weißer Leuchtturm, der Schiffen wie dem unseren Nachts den Weg wies. Darunter in den Felsen brüteten einige Seevögel, die Heiko zum Teil noch aus Island kannte. Ein paar von ihnen begleiteten uns auf der Fahrt, flogen mit unserem Schiff um die Wetter oder kamen immer mal wieder vorbei um sich zu zeigen. Darunter waren auch einige Papageientaucher und Trottellummen, sowie natürlich Heringsmöwen und Austernfischer.

Die steile Felsküste ist beeindruckend

Die steile Felsküste ist beeindruckend

Kaum hatten wir die kleine Insel umrundet, wussten wir was der Kapitän mit seinem Spruch gemeint hatte. Ohne die Deckung wurden die Wellen nun drei bis fünf Meter hoch und wir selbst wurden zu einem Ping-Pong-Ball, mit dem sie spielten. Obwohl es nur zwei Fenster im vorderen Bereich gab, die ein kleines Stückchen geöffnet waren, spritzte die Gischt zu uns herein. Immer wieder hoben wir ab, und kamen dann mit einem dumpfen Schlag auf der nächsten Welle wieder auf. Hinter uns, neben dem Aufgang zum Offendeck hatte der Kapitän ein paar letzte Koffer aufgestapelt, die nicht mehr in den Lagerraum gepasst hatten. Bereits nach der dritten großen Welle waren diese umgestürzt und hatten sich über den Gang verteilt. Wie es wohl unseren Wagen ging, die so ganz alleine da draußen auf dem offenen Deck herumstanden? Ich blickte nach hinten, konnte aber nichts erkennen und wandte mich deshalb an einen Passagier hinter mir.

Die Nordirische Steilküste

Die Nordirische Steilküste

„Wird schon schief gehen“, meinte er nur flappsig und wenig hilfreich, ohne sich auch nur umzudrehen, „wenn sie weg fliegen kannst du jetzt eh nichts machen!“ Recht hatte er ja, aber besonders beruhigend war es nicht. Ein anderer Passagier, der das Gespräch mitangehört hatte und noch etwas weiter hinten saß war zum Glück hilfreicher. „Sieht alles noch aus wie am Anfang! Schein keine Probleme zu geben!“ meinte er beruhigend.

Die Fahrt dauerte aufgrund des starken Gegenwindes fast genau zwei Stunden. Die Art und Weise auf die die Wellen mit uns spielten, änderte sich in dieser Zeit mehrere Male. Weniger wurde es jedoch erst kurz bevor wir den Hafen erreichten. Eine Sekunde zuvor waren wir noch geflogen und nun glitten wir wie eine Eiskunstläuferin auf der spiegelglatten See dahin.

Erkaltete Lava hat Basaltsäulen entlang der Küste gebildet.

Erkaltete Lava hat Basaltsäulen entlang der Küste gebildet.

Dass die Fahrt auch körperlich anspruchsvoll war hatten wir bereits auf hoher See gemerkt, doch so richtig kam das Gefühl nun erst an Land durch. Die Knie waren weich, der Kreislauf spielte verrückt und der Schädel brummte noch immer im Nachhall der Schiffsmotoren. Eine kleine Fähre wie diese war deutlich zeiteffektiver als eine große Autofähre, aber dass es nun vollkommen entspannend war konnte man auch wieder nicht sagen. Wir hatten kein einziges Mal auf die offene See hinaus gemusst, sondern waren immer in Küstennähe gewesen und die Fahrt hatte gerade einmal zwei Stunden gedauert. Eine ähnliche Fahrt über mehrere Tage mitten über den Atlantik um nach Amerika überzusetzen konnten wir uns hingegen gerade noch nicht so vorstellen.

Der Leuchtturm weist und den Weg in den Hafen von Ballycastle .

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Fortsetzung folgt…

Spruch des Tages: Eine Seefahrt, die ist lustig eine Seefahrt die ist schön, …

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Höhenmeter: 250 m

Tagesetappe: 16 km

Gesamtstrecke: 24.805,27 km

Wetter: Bewölkt und regnerisch

Etappenziel: Pfarrhaus, Campile, Irland

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