Antlitzdiagnostik

Was ist Gesichtsdiagnose bzw. Antlitzdiagnose?

In der Schulmedizin nutzen wir hauptsächlich chemische und technisierte Diagnoseverfahren

In der Schulmedizin nutzen wir hauptsächlich chemische und technisierte Diagnoseverfahren

Unser Körper gibt uns sehr genaue Auskünfte darüber, was in unserem Inneren vor sich geht. Über viele Jahrtausende hinweg wurde dieses Wissen überall auf der Welt für Diagnosen und Heilungen genutzt. Tatsächlich gibt es Aufzeichnungen über Methoden der Antlitzdiagnose unter anderem aus dem alten China, die älter sind als als alle anderen Diagnoseformen. Es lässt sich also vermuten, dass die Gesichtsdiagnose bzw. Antlitzdiagnose zu den ältesten Formen der Diagnostik überhaupt gehört. In unserer Schulmedizin findet sie heute leider kaum noch Anwendung, da man sich hier nun vor allem auf indirekte Diagnoseformen wie chemische Analysen der Körperflüssigkeiten und des Gewebes, Röntgenaufnahmen und Computertomographen konzentriert, bei denen die Diagnose nicht vom Arzt, sondern von einem technischen Gerät durchgeführt wird. Auch diese Diagnoseformen haben natürlich ihre Vorteile und lassen viele Rückschlüsse über unseren Gesundheitszustand zu. Sie haben jedoch den Nachteil, dass sie für einen Laien sehr schlecht überprüfbar sind, so dass wir uns im Allgemeinen auf die Expertenmeinung verlassen müssen.

Wie funktioniert die Antlitzdiagnose?

Unser ganzer Körper und vor allem unser Gesicht ist in gewisser Weise ein Spiegelbild unseres körperlichen, geistigen, seelischen und emotionalen Gesundheitszustands. In der einfachsten Form kennt und nutzt jeder von uns diese Tatsache ganz automatisch im Alltag. Wenn wir fröhlich, traurig, wütend oder enttäuscht sind, dann zeichnen sich diese Emotionen sofort auf unserem Gesicht ab. Selbst wenn wir versuchen, bewusst zu lächeln, zeigt unser Gesicht unsere Trauer oder Wut ganz automatisch. Jeder der uns sieht, erkennt also sofort, wie wir uns fühlen, selbst wenn wir kein Wort dazu sagen. Mit etwas Anstrengung, können wir natürlich lernen, unsere Gefühlsgebundene Mimik zu unterdrücken um unsere Gefühle zu verbergen. Doch selbst wenn wir dies tun, zeigen sich die wahren Emotionen für einen Sekundenbruchteil als sogenannte Mikrogesten, über die wir keine Kontrolle haben. Unser Gesicht ist als Spiegelbild unserer Gefühle also zu 100% treffsicher, nur eben nicht immer leicht zu erkennen.

Unser Gesicht ist der Spiegel unserer Gefühlswelt. Jede Emotion ist hier sofort sichtbar, auch wenn wir es unterdrücken wollen.

Unser Gesicht ist der Spiegel unserer Gefühlswelt. Jede Emotion ist hier sofort sichtbar, auch wenn wir es unterdrücken wollen.

Auf die gleiche Weise zeigt unser Gesicht aber nicht nur unsere aktuellen Gefühle auf, sondern alles, was sich in unserem Inneren abspielt. Das Prinzip bleibt dabei das gleiche. So wie sich eine kurzfristige, akute Emotion für einen kurzen Moment auf dem Gesicht abzeichnet, so zeichnen sich unsere langfristigen inneren Prozesse dauerhaft ab. Dies ist jedoch in den meisten Fällen nicht ganz so leicht zu erkennen und zu verstehen, wie die Gefühle, da unser Blick nicht darauf trainiert ist. Unsere Gefühle wechseln sehr häufig und somit fällt es uns leicht, unsere Mimik mit dem aktuellen Gefühl in einen Zusammenhang zu bringen. Organbelastungen, chronische Krankheiten, Ängste, energetische Blockaden und seelische Traumata hingegen bleiben über einen langen Zeitraum bestehen und machen oftmals einen Teil unserer Persönlichkeit aus. Gleichzeitig verändert sich auch unser Gesicht im Laufe unseres Lebens ganz langsam und unmerklich. Da wir aber nicht wissen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Aussehen unseres Gesichts und unserem Innenleben gibt, achten wir zumeist nicht darauf und übersehen die Anzeichen schlicht und ergreifend. Wir sehen nun einmal so aus, wie wir eben aussehen. So lange wir jung sind, ist unser Gesicht meist relativ glatt und weist nur wenige spezifische Merkmale auf. Je älter wir werden, desto markanter und spezieller wird unser Gesicht. Wir bekommen Falten, Hautverfärbungen, Sommersprossen, Grübchen, Nasolabialfalten und vieles mehr. Unsere Augen verändern sich, die Augenbrauen werden heller, dunkler, buschiger oder lichter, die Ohren wechseln ihre Form, die Lippen wandeln sich, wir bekommen stärkere oder geringere Gesichtsbehaarung, die Nase wird schmaler oder dicker und die Haut verändert insgesamt ihre Konsistenz. In unserem Verständnis von der Biologie des Menschen schieben wir diese Veränderungen einfach auf den Alterungsprozess und den damit verbundenen Verfall unseres Körpers. Wenn man alt wird, bekommt man eben Falten, Altersflecken und eine schlaffere Haut.

Unser Gesischt zeigt und durch spezifische Veränderungen den Zustand all unserer Organe an.

Unser Gesischt zeigt und durch spezifische Veränderungen den Zustand all unserer Organe an. (Gesichtstafel aus „Krankheiten auf einen Blick erkennen)

Wenn wir uns jedoch ein bisschen genauer umsehen, stellt man sehr leicht fest, dass diese Theorie einen Haken hat. Obwohl alle Menschen im gleichen Maße altern, verändern sich unsere Gesichter doch auf sehr unterschiedliche Weise. Unser Körper führt diese Veränderungsprozesse also nicht einfach willkürlich oder nach einem Standartschema durch. Jede Veränderung entsteht aus einem bestimmten Grund, genau wie wir auch nicht plötzlich ein wutverzerrtes Gesicht bekommen, obwohl wir nicht wütend sind. Ähnlich wie bei den Reflexzonen in unseren Händen und Füßen gibt es auch Vernetzungen von jedem einzelnen Körperorgan mit einer Region im Gesicht. So lassen sich beispielsweise Lungenprobleme anhand der Nasenflügel erkennen, während die Leber unter anderem mit dem Bereich zwischen den Augenbrauen verbunden ist und sich Probleme mit der Galle in unseren Augenhöfen abzeichnen.

Am Beispiel der Gallenblase lassen sich hier organspezifische Antlitzzeichen erkennen

Am Beispiel der Gallenblase lassen sich hier organspezifische Antlitzzeichen erkennen

Um sich ein vollständiges Bild vom Gesundheitszustand eines Patienten zu machen, also eine sogenannte Anamnese durchzuführen, betrachtet der Therapeut alle Antlitzzeichen und sämtliche Auffälligkeiten im Gesicht seines Patienten. Welche Gesichtsform hat er? Wie ist die Gesichtsfarbe? Wo befinden sich Falten, Grübchen, Verfärbungen, Muttermale, Hautunreinheiten, Besenreißer, Schwellungen, Verformungen oder trockene Bereiche? All dies gibt Aufschluss über die körperliche, seelische und emotionale Verfassung des Patienten, so dass dann im Nachhinein die für ihn in diesem Moment optimale Therapie ausgewählt werden kann.

Die Antlitzdiagnose ist eines der sichersten Diagnoseverfahren die es gibt, da alles an mehreren Stellen im Körper überprüft werden kann.

Die Antlitzdiagnose ist eines der sichersten Diagnoseverfahren die es gibt, da alles an mehreren Stellen im Körper überprüft werden kann.

Ist die Antlitzdiagnose eine verlässliche Diagnoseform?

Die Schulmedizin kritisiert oft, dass die Antlitzdiagnose nicht wissenschaftlich belegbar sei und daher keine verlässliche Aussage bieten könne. Eine objektive Betrachtung verschiedener Diagnoseformen zeigt jedoch, dass die Antlitzdiagnose weitaus zuverlässiger ist, als die meisten modernen und technisch gestützten Verfahren. Tatsächlich basiert die Antlitzdiagnose nicht auf Studien im klassischen Sinne, sondern auf genauen und langjährigen Beobachtungen. Es stimmt, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass eine gelblich braune Verfärbung des Augenhofs auf eine Fehlfunktion der Galle hindeutet oder dass eine Furche in der Nasenscheidewand ein Herzleiden anzeigt. Doch unzählige Beispiele zeigen, dass es sich immer wieder genau so verhält. Es mag Ausnahmen geben, aber diese treten selten, teilweise sogar nie auf. Dennoch ist es wichtig, die Zeichen als eine Fährte und nicht als unumstößlichen Beweis für ein entsprechendes Problem zu betrachten. Es ist wie bei der Untersuchung eines Tatorts. Der Fingerabdruck eines mutmaßlichen Mörders auf der Tatwaffe ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass er wirklich der Mörder ist. Dennoch kann es auch eine andere Erklärung geben. Um sicher zu gehen, muss man weitere Hinweise sammeln, beispielsweise die Schmauchspuren an der Hand, ein fehlendes Alibi und einen Zeugen, die den Mann zur Tatzeit am Tatort gesehen hat. Alle Zeichen zusammen lassen dann eine zuverlässige Schlussfolgerung zu. Die Informationen über das Erkennen und Deuten der Antlitzzeichen, die wir beispielsweise in unserem Buch zusammengestellt haben, sind Erfahrungswerte, die wir von mehr als vierzig verschiedenen Kulturen zusammengetragen haben. Sie wurden also überall auf der Welt unabhängig von einander unzählige Male beobachtet und festgehalten, bis sich die Therapeuten und Heiler sicher genug waren, um aufgrund dieser Beobachtungen entsprechende Behandlungen und Therapien auszuwählen.

Wie kann ich eine Antlitzdiagnose durchführen?

Die Antlitzdiagnose ist eines der sichersten Diagnoseverfahren die es gibt, da alles an mehreren Stellen im Körper überprüft werden kann.

Die Antlitzdiagnose ist eines der sichersten Diagnoseverfahren die es gibt, da alles an mehreren Stellen im Körper überprüft werden kann. Business image created by Asierromero – Freepik.com

Das Lesen eines Gesichtes ist ein bisschen ähnlich wie das Spurenlesen in der Natur oder an einem Tatort. Zunächst einmal gilt es zu wissen, wie der Naturzustand aussieht. Wie sehen die Gesichter von gesunden und unbelasteten Menschen aus? Wenn ich das weiß, dann fällt es mir auch leicht, Abweichungen zu erkennen. Ich weiß nun vielleicht noch nicht, was sie bedeuten, aber ich weiß schon einmal, dass hier etwas anders ist, als es sein sollte. Der nächste Schritt besteht nun darin, die einzelnen Veränderungen zu erkennen und ihren Ursachen zuzuordnen. Dies ist am Anfang ein bisschen wie Vokabeln lernen. Das Gesicht spricht seine eigene Sprache und um sie verstehen zu können, müssen wir ihre Zeichen und Übersetzungen kennenlernen. Das erfordert einiges an Übung und funktioniert am besten, wenn man ein „Wörterbuch“ der Gesichtsdiagnose besitzt, in dem man immer wieder nachschlagen kann. Das Gute ist, dass wir in unserem Alltäglichen Umfeld fast immer und überall Übungsfelder finden können. Es gibt in unserer Gesellschaft kaum einen Menschen, der nicht irgendwo Blockaden, Krankheiten, Schwächen, Ängste oder Belastungen hat und somit kann man überall dort üben, wo sich Menschen befinden: im Park, beim Einkaufen, in der Straßenbahn, im Café, sogar beim Fernsehschauen. Am Anfang ist es etwas mühsam und man erkennt vielleicht nur wenig, aber bereits nach kurzer Zeit werdet ihr feststellen, dass es euch immer leichter fällt. Mit ein bisschen Übung erkennt ihr die Zeichen dann schließlich automatisch, so wie man auch Schriftzüge mit einem Wort erkennt, ohne jeden Buchstaben einzeln lesen zu müssen. Von diesem Moment an wird es ein Kinderspiel und irgendwann wird es euch schwer fallen zu verstehen, wie irgendjemand einen Menschen anschauen kann, ohne in ihm zu lesen, wenn doch alles so offensichtlich erkennbar ist.

Hier sind einige Bücher, mit denen ihr die Gesichtsdiagnose leicht erlernen könnt und die euch auch später bei Diagnosen und Behandlungen immer wieder als hilfreiche Nachschlagewerke dienen:

Krankheiten auf einen Blick erkennen

Unser Grundlagenwerk zum Thema Antlitz- und Körperdiagnose, in dem alle Diagnoseformen erklärt und anhand von Beispielen und Grafiken anschaulich dargestellt werden.

Die Botschaft Deines Körpers: Die Sprache der Organe

Kurt Töpperwein erklärt in diesem Buch sehr anschaulich und leich verständlich welche Kernursachen hinter verschiedenen Krankheiten stecken und wie man diese anhand von Antlitzzeichen erkennen kann.

Äußere Kennzeichen innerer Erkrankungen, Bd. 1: Lehrbuch und Farbatlas für Pathophysiognomie und visuelle Diagnostik

H.-D. Bach ist einer der Urväter der Antlitzdiagnose der westlichen Moderne und hat hier in diesem Buch die Ergebnisse jahrelanger Forschung und unzählicher Untersuchungen zusammengefasst.

Praxis der Pathophysiognomik: Lehrbuch und Bildatlas der Krankheitszeichen im Gesicht

Ein umfangreiches Fachbuch zum Thema Antlitzdiagnose mit vielen anschaulichen Zeichnungen und Grafiken, die einen dabei unterstützen, die einzelnen Antlitzzeichen zu erkennen und von einander zu unterscheiden.

Gesichtsdiagnose: in der chinesischen Medizin

„Gesichtsdiagnose: in der chinesischen Medizin“ gibt einen umfassenden Überblick über die Antlitzzeichen und deren Bdeutung nach der Tradition der chinesischen Medizin.

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